Glasscreen im Urteil der Tester

Filmschule:
Filmüberspielungen auf Video - Kopierwerk oder Glasscreen?


Horst und Gabi Blum (c) für Camcorder & Co
(Dieser Testbericht erschien in Camcorder & Co Heft 8/2001.
Abruck mit freundlicher Genehmigung von Camcorder & Co.)



Vor einem Jahr berichteten wir von unseren Überspielversuchen - Film auf Digitalvideo zu kopieren. Seit dem erhielten wir viele Anrufe von Lesern, die uns das anhaltende Interesse am Thema signalisieren. Inzwischen gibt es ein neu aufgelegtes Glasscreen. Das hat uns veranlasst - das Thema Eigenüberspielung oder Kopierwerk - noch einmal aufzugreifen.
Viele unserer Filme sind nach mehr als zwanzig Jahren noch hervorragend in Bild und Ton. Andere Filme aus unserer Anfängerzeit sind unzureichend nachbearbeitet. Es fehlten uns damals Mittel und die Erfahrung. Oft haben diese Streifen einen hohen Erinnerungswert. Es müsste reizvoll sein die alten Schätzchen auf Digitalvideo zu konservieren, um sie noch einmal mit der Technik einer Casablanca zu bearbeiten.
Deshalb haben wir zunächst damit begonnen Filme zu Kopierwerken zu schicken. Es gab aber Gründe, weshalb wir fast gleichzeitig versuchten die Filme, mit der eigenen 3 CCD Digitalkamera, zu kopieren. Es waren teils Kompatibilitätsprobleme. Die eigenen Filme sind zum Teil selbst bespurt. Möglicherweise ist unsere Weberling Maschine nicht ganz im Normbereich justiert. Der eigene Projektor toleriert dies, weil dessen Tonköpfe so eingeschliffen sind. Das Kopierwerk verlangte nach unserem Projektor. Damit war der erste Grund gegeben. Bei anderen Kopien waren wir mit der Bildqualität nicht zufrieden. Kopierwerke lieferten teils eine wesentlich schlechtere Bildqualität, als wir sie mit bloßem Abfilmen von einer weißen Fläche erzielten. Das war vor einem Jahr.
Neue Versuche zeigen uns, dass die auf Digitalvideo gelieferten Kopien ein und desselben Super 8 Films, je nach Kopierwerk, unterschiedlich in der Bildqualität ausfallen können. Bei manchen Überspielungen reagiert die Blendensteuerung sehr träge. Zu dunkle oder zu helle Bilder sind die Folge. Dazwischen geschaltete Videoprozessoren verursachen zum Teil deutliche Farbverfälschungen innerhalb einer Kopie. Es sieht nicht so aus, als würden die Überspielungen ständig überwacht. Deshalb würden wir auch heute noch keinen größeren Kopierauftrag, ohne eine Probeüberspielung, erteilen. Die zur Zeit besten Digitalvideo Kopien, von Kodak Super 8 Film K40, liefert nach unseren Vergleichen, die Firma AVP Video Transfer, Tegernseer Landstraße 161, 81547 München.



Mit etwas Zeitaufwand und Experimentierfreude lassen sich, mit einer 3 CCD Digital - Videokamera, recht gute Kopien von Super 8 Filmen herstellen. Noch vor einem Jahr hielten wir das Abfilmen von einem feinweißen matten Papier für die beste Methode. Mit den damals lieferbaren Mattscheiben mit Umlenkspiegeln erzielten wir kein gutes Ergebnis. Inzwischen kopieren wir unsere Filme mit Hilfe von Glasscreen. Im Gegensatz zu allen anderen Mattscheiben besteht Glasscreen aus zwei dünnen Blankglasscheiben zwischen denen eine Wachs - Parafinschicht eingegossen ist. Der Vorteil ist die absolute Kornfreiheit und die gleichmäßige Lichtverteilung. Der von anderen Mattscheiben bekannte Hot - Spot ist verschwunden. Der Lichtabfall zum Rand ist so gering, dass man ihn vernachlässigen kann. Die nicht ganz billige Scheibe wird in professionellen Fachkameras, Reprogeräten und in den Maschinen vieler Filmkopierwerke verwendet. Mit Hilfe eines Spiegels lassen sich auf der Mattscheibe seitenrichtige scharfe Bilder erzeugen, die einer direkten Projektion in nichts nachstehen. Wenn der richtige Aufbau einmal steht, kann man seine Filme damit sehr komfortabel und in gleichbleibender Qualität abfilmen.
Der Aufbau der Komponenten Projektor, Umlenkspiegel und Glasscreen -Mattscheibe wird erleichtert, wenn man sich, auf einem mit Papier bespanntem Tisch, eine Reihe, parallel zur Tischkante verlaufende, Bleistiftstriche zieht. Die Linien für den Spiegel werden dazu im Winkel von 45° (mit Geo Dreieck) gezogen. An einer der Linien wird der Projektor ausgerichtet und parallel dazu die Mattscheibe aufgestellt. Der Umlenkspiegel wird an der mitgelieferten Halterung befestigt. Spiegelmitte und Mitte Projektionsobjektiv müssen dabei übereinstimmen. Durch Verschieben des Spiegels und Verstellen der Projektionsoptik wird erreicht, dass das volle Projektionslicht vom Spiegel erfasst wird. Die mitgelieferte Halterung für das Glasscreen lässt sich in der Höhe nicht regulieren. Hier sind Bastler gefragt. Notfalls tut es eine Unterlage. Mit dem Aufbau ist längst nicht alles getan. Für eine wirklich gute Überspielung, die auch höheren Ansprüchen genügt, müssen erst noch alle Komponenten fein aufeinander abgestimmt werden.



Ein erster Testaufbau gibt Auskunft über das Maß des Helligkeitsflackerns des eigenen Projektors. Das Licht des Projektors wird dazu, ohne Film, auf eine weiße Fläche projiziert und die Videokamera darauf gerichtet. Unsere Kamera ist dabei mit einem Fernsehgerät verbunden. Auf dem Bildschirm zeigt sich nun ein mehr oder weniger starkes Helligkeitsflackern. Das hat mit der unterschiedlichen Bildfrequenz der Videokamera zum Filmprojektor zu tun. Ein flackerfreier Transfer, von mit 18 Bildern aufgenommenem Super 8 mm Film, ist nur möglich, wenn der Projektor mit 162/3 Bildern läuft. In unseren Bauer T 610 haben wir nachträglich eine Motorregelung einbauen lassen. Die Laufgeschwindigkeit des Projektors lässt sich damit zwischen 162/3 und 25 Bildern pro Sekunde regeln. Früher haben wir Filme mit einem alten Eumig Projektor überspielt und kaum ein Helligkeitsflackern bemerkt. Ältere Projektoren laufen nicht immer mit der richtigen Geschwindigkeit, deshalb würden wir vor einem Umbau einen Testlauf vornehmen. Für die Projektion, der mit 24 B pro Sekunde aufgenommenen Filme, regeln wir den Projektor auf 25 Bilder pro Sekunde hoch. Das können einige Projektoren ohne Umbau. Trotzdem bleibt ein Helligkeitsflackern, im Abstand von einigen Bildern. Mit etwas Glück und der richtigen Kamera ist auch das in den Griff zu bekommen. Wir haben unsere neue Sony 2000 über SHUTTER SPEED auf 25 eingestellt. Das Flackern ist weg. Versuchen Sie es mit durch 50 teilbaren Geschwindigkeiten der Kamera. Mit einer Sony 900 funktioniert es mit 75. Sonst bliebe nur, der kaum rückgängig zu machende, Umbau des Projektors auf eine Zweiflügelblende. Als nächstes ist der Weißabgleich der Kamera auf das Filmlicht abzustimmen. Er kann auf das weiße Projektionslicht, ohne Film, eingestellt werden. Sollte dann aber noch am guten Fernseher, bei laufendem Film, kontrolliert werden. Die beste Verbindung zum Fernsehgerät ist das Hosiden Kabel. Wir verwenden, um mit der Kamera flexibel zu sein, ein fünf Meter S- VHS Kabel von e+p Bestell Nr. VCS 45. Eine Empfehlung für den Weißabgleich können wir nicht geben. Kameras verschiedener Hersteller reagieren unterschiedlich. Das gilt auch für die Blendensteuerung. Die reagiert bei der Panasonic DX1, im Vergleich zur Sony 2000, etwas träge. Bei Helligkeitswechsel zieht die Blende manchmal etwas nach. Wenn ohnehin eine digitale Nachbearbeitung der Kopie geplant ist, kann man Filmstücke mit extremen Helligkeitskontrasten ein zweites Mal, mit anderer Handeinstellung der Blende, abfilmen. Bei kritischen Filmen regeln wir die Blende, während der Aufnahme, von Hand. Die Kamera muss dabei auf einem bombenfesten Stativ stehen. Video kann nur einen geringeren Kontrastumfang wiedergeben als Film. Viele unserer Filmreportagen sind in Innenräumen, bei Kunstlicht, aufgenommen. Hier sind die Kontraste besonders hoch. Die Automatik der Videokamera führt leicht zu überbelichteten Gesichtern. Jetzt heißt es Abblenden und einen Kompromiss eingehen. Wir belichten auf das Gesicht, als bildwichtigsten Teil, auf die Gefahr, dass Teile des Raumes in Dunkelheit versinken. Bei anderen Filmen, mit vielen Außenaufnahmen und gleichmäßiger Helligkeitsverteilung, können wir der Automatik die Blendensteuerung überlassen.



Ein kritischer Punkt ist die Bildschärfe. Es müssen zwei Einstellungen aufeinander abgestimmt werden. Das gelingt am besten mit einem Stück Film, das ohne jeden Zweifel, absolut scharf ist. Die einmal gefundene Schärfe ist möglichst an der Kamera fest einzustellen. Bei einigen Filmen, die aus eigenbespurtem und aus werksbespurtem Tonfilm bestehen, müssen wir bei der Projektion die Schärfe nachregeln. Eine direkte Kontrolle ist nur während der Überspielung, im verdunkelten Raum, am angeschlossenen Bildschirm eines guten Farbfernsehers, möglich.
Ein wichtiger Punkt ist der Filmton. Es ist nicht ganz so, dass wegen der Reduzierung der Filmgeschwindigkeit, bei den mit 18 Bildern aufgenommenen Filmen, aus einem Walzer ein langsamer Walzer wird. Ein betont langsam sprechender Redner hört sich allerdings etwas lahm an. Wenn mehrer Personen sprechen , reden sie ohnehin alle etwas schneller. Die etwas verlangsamte Sprechweise empfinden wir dann nicht als störend. Kritischer ist es den Ton in guter Qualität auf das Videoband zu bekommen. Anfangs, weil unsere Panasonic DX1 keinen Digitalausgang hatte, haben wir die Filme bei der Aufnahme direkt auf Casablanca gespielt. Der Ton wurde bei dieser Methode analog eingespielt. Wollen wir digital aufzeichnen geht nur der Weg über den Mikrofoneingang der Kamera. Dazu muss in das Verbindungskabel, vom Projektor zum Mikrofoneingang, ein Spannungsteiler gelötet werden. Eines unserer Kabel wurde inzwischen das dritte Mal umgelötet. Bei der neuen Sony VX 2000 geht das ganz leicht, dachten wir. Deren Mikrofoneingang lässt sich auf Lineareingang umschalten. Einen sehr klaren Ton vom Filmprojektor bekommen wir nur mit einen dazwischen geschaltetem Verstärkermischpult, mit dem wir sogar die Klangfarbe beeinflussen können.



Gute Überspielungen von Film auf Video gelingen nur, wenn man sich wirklich damit befasst, sich sehr viel Zeit nimmt, alle Komponenten fein aufeinander abzustimmen. Glasscreen ist dabei ein gutes Hilfsmittel, mit dem die Überspielung etwas komfortabler wird.


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